Metabolische Azidose „Übersäuerung“

Was ist eine metabolische Azidose? Welche Auswirkungen hat eine metabolische Azidose? Wie kann sie behandelt werden? Welchen Nutzen hat eine Therapie?

Das sind die üblichen Fragen, mit denen wir in unserer täglichen Arbeit häufig konfrontiert werden.

 

Metabolische Azidose ist die medizinische Bezeichnung für die Übersäuerung des Blutes. Ob Ihr Körper übersäuert ist, messen wir bei fast jeder Blutuntersuchung mit Hilfe der Blutgasanalyse (kurz: BGA). In unserem Blut herrscht normalerweise ein Gleichgewicht zwischen sauren Anteilen (Säuren) und basischen Anteilen (Basen). Nur wenn beide Anteile, Säuren und Basen, im Gleichgewicht sind, kann unser Körper problemlos funktionieren.

 

Zum Schutz hat unser Körper verschiedene Eigenmechanismen eingerichtet, sogenannte Puffersysteme, die dazu beitragen, dass Gleichgewicht von Säuren und Basen im Blut möglichst stabil zu halten. Bei Überlastung dieser Puffersysteme kommt es bei Patienten mit Nierenschwäche sehr häufig zu einem Überschuss an sauren Anteilen im Blut, wir sprechen dann von einer Übersäuerung (Azidose) des Blutes.

 

Die Nieren spielen neben der Lunge eine sehr wichtige Rolle für einen ausgeglichenen Säure-Basen-Haushalt. Durch die Nieren werden im Allgemeinen überschüssige saure Anteile aus dem Blut mit dem Urin ausgeschieden und Basen (alkalische Anteile) wie das Hydrogencarbonat verstärkt zurückgehalten bzw. neu gebildet.

 

Funktionieren unsere Nieren nur noch eingeschränkt, wird weniger Hydrogencarbonat zur Verfügung gestellt, um überschüssige Säuren abzufangen (zu puffern). Gleichzeitig werden die sauren Anteile nicht mehr ausreichend ausgeschieden und sammeln sich im Blut an. So entwickelt sich eine metabolische Azidose.

 

Unser Körper hat dann die Möglichkeit dieses Ungleichgewicht durch verstärkte Atemarbeit auszugleichen (=respiratorische Kompensation). Wir atmen tiefer und schneller ein, es kommt zur Hyperventilation.

 

Folgen der Übersäuerung sind Appetitlosigkeit, erhöhte Kaliumwerte, eine Insulinresistenz, Störung des Knochen- und Muskelaufbaus.

Teufelskreis Übersäuerung des Blutes

Eine metabolische Azidose kann man behandeln, indem man Natriumbicarbonat in Tablettenform zufügt.

 

Zur Therapie stehen uns derzeit 3 verschiedene Präparate zur Verfügung:

–        Calciumnatriumhydrogencarbonat in Granulatform (Acetolyt®)

–        Natriumhydrogencarbonat in Tablettenform (Bicanorm®, Nephrotrans®)

 

Es ist sehr wichtig, die verordneten Medikamente täglich einzunehmen.

 

Durch einen Ausgleich der Übersäuerung kann man sehr vielen Akut- und Spätfolgen der metabolischen Azidose entgegenwirken und auch den weiteren Leistungsverlust ihrer Niere aufhalten. Die regelmäßige Kontrolle des Bicarbonatspiegels in der Blutgasanalyse ist hierfür sehr wichtig. Das Ergebnis ist in unserer Praxis an allen 4 Standorten innerhalb weniger Minuten verfügbar.

 

Langfristig wirkt sich eine Therapie mit Natriumhydrogencarbonat auf den Appetit, die Fitness, den Muskel- und Knochenabbau positiv aus.

 

Wissenschaftliche Untersuchungen zeigten, dass die Behandlung das Fortschreiten der Nierenfunktionsverschlechterung deutlich verlangsamt hat. Das heißt, man kann auf diese Art, den Beginn der Nierenersatztherapie (Transplantation, Hämodialyse und Bauchfelldialyse) deutlich hinauszögern. In einer Studie von 2009 wurde gezeigt, dass mit Therapie innerhalb von 24 Monaten 6,5 % der eingeschlossenen Studienpatienten dialysepflichtig wurden, hingegen ohne Hydrogenkarbonat 33 % der Patienten dialysepflichtig wurden

 

Azidose

(Studien: Brito-Ashurst et al, J. Am Soc Nephrol 2009; 20: 2075-2084

und Mahajan et al., Kidney Int 2010; 78: 303-309).

 

 

Nehmen Sie die Tabletten ca. 2 Stunden vor der Mahlzeit ein.