Schmerzmittel- Gefahr für die Niere?

Samstag, 9. Juni 2018 / 

Vor einigen Jahren machte der Fall des Fußballspielers Ivan Klasnic von Werder Bremen von sich Reden. Ihm waren von seinen Mannschaftsärzten in Kenntnis einer Nierenschwäche Schmerzmittel (sogenannte nichtsteroidale Antiphlogistika, NSAR) verordnet worden, was zum vollständigen Verlust seiner Nierenfunktion führte. Inzwischen hat er die 3. Nierentransplantation hinter sich, nachdem die früheren Spenderorgane abgestoßen wurden. Diese Schmerzmittel gibt es auch freiverkäuflich, so dass die Frage aufgeworfen wird, wie mit diesen Medikamenten umzugehen und wo besondere Vorsicht geboten ist.

 

 

Was sind nichtsteroidale Antiphlogistika (NSAR)?

 

NSAR werden für die Behandlung von Schmerzen und entzündlichen und degenerativen Erkrankungen eingesetzt. Sie enthalten kein Cortison und besitzen entzündungshemmende und schmerzlindernde Eigenschaften. Häufige Nebenwirkungen sind Magen-Darm-Probleme, Nierenfunktionsstörungen und Blutdruckerhöhung. So können NSAR auch die blutdrucksenkende Wirkung von ACE-Hemmern /AT-I-Antagonisten oder wassertreibenden Mitteln abschwächen.  Häufig verwendete Substanzen sind z.B. Ibuprofen, Diclofenac (Voltaren), Celebrex, Arcoxia.

 

Wie wirken sie auf die Niere?

 

In der Niere sind sogenannte Prostaglandine für die Aufrechterhaltung des Blutflusses verantwortlich. NSAR hemmen die Prostaglandine und führen so zur Einschränkung der Nierenfunktion. Darüber hinaus können NSAR auch das Nierengewebe direkt schädigen.

 

Welche Personen sind besonders gefährdet?

 

Störungen der Nierenfunktion durch NSAR sind bei gesunden Personen sowohl sehr selten als auch rückbildungsfähig. Insgesamt treten behandlungsbedürftige Störungen der Nierenfunktion aufgrund der Einnahme von NSAR nur in 1-5% auf. Bei Patienten, die unter Austrocknung/Hypovolämie  (Durchfall, Erbrechen, geringe Flüssigkeitszufuhr),  an einer Herzschwäche oder einer chronischen Nierenerkrankung (Klasnic) leiden, die älter sind (>80Jahre) oder noch andere Medikamente nehmen (z.B. ACE-Hemmer/AT-I-Antagonisten, wassertreibende Mittel), ist das Risiko einer Nierenschädigung allerdings größer. So ist bei einer vorbestehenden Nierenschwäche das Risiko einer schnellen Nierenfunktionsverschlechterung um 26 Prozent erhöht.

 

Gibt es Unterschiede zwischen den verschiedenen NSAR in der Wirkung auf die Niere?

 

Früher wurde angenommen, dass die zuletzt entwickelten NSAR die Nieren weniger schädigen. Inzwischen muss man aber sagen, dass es wohl keine signifikanten Unterschiede gibt. Die zunächst nachgewiesenen Unterschiede sind wohl am ehesten auf Unterschiede in der Dosierung zurückzuführen.

 

 

Wie ist es mit der Anwendung von NSAR als Salbe?

 

Wenn die Salbe auf größere Hautareale aufgetragen wird, steigt die durch die Haut in den Körper aufgenommene Menge, so dass gelegentlich Nierenfunktionseinschränkungen gesehen werden. Bei kleineren Arealen sollte dies nicht der Fall sein.

 

Gibt es Alternativen?

 

Sollte es unter der Therapie mit NSAR zu Problemen mit der Niere kommen, können zunächst Alternativen wie Novalgin, Opioide (z.B. Tramadol) oder Paracetamol  alleine oder in Kombination  zum Einsatz kommen. Einschränkend muss aber gesagt werden, dass diese im Gegensatz zu den NSAR nur schmerzlindernd, nicht aber entzündungshemmend wirken, so dass manche Patienten damit nicht so gut zurechtkommen. Trotzdem klappt die Umstellung in vielen Fällen.

 

Zusammenfassung:

 

NSAR sind effektive Schmerzmittel, die bei gesunden Personen hinsichtlich der Niere doch relativ sicher sind. Allerdings müssen die Risikofaktoren (Austrocknung/Hypovolämie, Herzschwäche, Nierenerkrankung, höheres Alter, Begleitmedikation ) unbedingt beachtet werden und die Therapie am besten mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden. Ein zusätzliches Augenmerk sollte unter der Therapie mit NSAR auf den Blutdruck gerichtet werden.

 

 

Hier sehen Sie den Originalartikel aus der Bayreuther Sonntagszeitung.

Sprechstunde am Sonntag