Mittwoch, 22. November 2023 / 

Rauchen und Niere

Mehr als 10% aller Menschen in Deutschland haben eine Nierenschwäche. Die häufigsten Ursachen hierfür sind Diabetes und Bluthochdruck. Kommt auch noch das Rauchen hinzu, kann es mit den Nieren schnell bergab gehen – bis hin zur Dialyse, weiß Gabriele Fischer, Internistin mit Schwerpunkt Nephrologie aus der Nephrologischen Praxis mit Dialyse in der Neuen Spinnerei.

Rauchen und Nierenprobleme – warum ist uns das bislang nicht gegenwärtig?

Die Warnhinweise auf den Zigarettenpackungen zielen bislang noch nicht darauf ab. Wir alle kennen die Hinweise wie „verursacht tödlichen Lungenkrebs“, „verursacht Schlaganfälle und Herzinfarkte“, „verstopft Arterien“ und „macht abhängig“. Von diesen Folgen sind vordergründig zunächst einfach mehr Menschen betroffen als von der Nierenschwäche. In den vergangenen Jahrzehnten konnte allerdings auch gezeigt werden, dass Rauchen ein direkter Risikofaktor für die Entwicklung einer Nierenschwäche ist und nicht nur über den „Umweg“ Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Erkrankungen zum Nierenfunktionsverlust führt.

Wie schädigt Zigarettenrauchen die Nieren?

Die Nieren sind sehr gut durchblutet und enthalten enorm viele kleinste Gefäße. Nikotin und andere Giftstoffe schädigen die Innenschicht der Gefäße, verursachen dadurch eine Verengung und in der Folge Verkalkungen (Arteriosklerose) bis hin zum vollständigen Verschluss der Gefäße.

Sind Nierenkranke besonders gefährdet durch zusätzliches Rauchen?

Dafür gibt es deutliche Hinweise: Durch Studien wurde belegt, dass Diabetiker, die bereits eine Nierenschwäche haben, doppelt so schnell an der Dialyse landen wie Diabetiker mit Nierenschwäche, welche nicht rauchen. In diesen Untersuchungen waren die Raucher mit Diabetes und Nierenschwäche im Mittel nach 3 Jahren auf Dialyse angewiesen, während bei den entsprechenden Nichtrauchern im Mittel 7 Jahre bis zur Dialyse vergingen.

Ist eine Niere mit Diabetes-Schäden besonders gefährdet?

Tatsächlich ist die zugrundeliegende Nierenerkrankung nicht ausschlaggebend. Die Nierenleistung nimmt unabhängig von der zugrundeliegenden Nierenerkrankung (diabetischer Schaden, IgA-Glomerulonephritis, erbliche Zystennieren usw.) bei Rauchern schneller ab als bei Nichtrauchern. Besonders gefährdet für den vollständigen Nierenfunktionsverlust sind allerdings Raucher, deren Nierenfunktion schon sehr schwach ist. Denn der schädliche Einfluss des Tabakkonsums ist umso stärker, je schwächer die Nierenleistung ist.

Rauchen als eigenständiger Risikofaktor- betrifft dieses Problem dann auch Nierengesunde?

In jedem Fall. Untersuchungen von gesunden Gelegenheitsrauchern verglichen Scheinrauchen (-die Teilnehmer zogen hierbei an einer nicht angezündeten Zigarette) mit richtigem Zigarettenrauchen. Zwei Minuten nach Beginn des Rauchens zeigte sich im Vergleich zum Scheinrauchen eine Gefäßverengung in den Nieren mit einem Rückgang der Filtrationsleistung um ein Drittel. Über diesen Mechanismus, der mit jeder Zigarette neu gestartet wird, verlieren die Nieren mit der Zeit ihre volle Funktionsfähigkeit.

Bringt es bei schon nachweisbarer Nierenschwäche überhaupt noch etwas, mit dem Rauchen aufzuhören?

Nierengewebe, das nachhaltig geschädigt ist, lässt sich in der Regel nicht mehr retten. Aber der weitere Nierenfunktionsverlust lässt sich deutlich verlangsamen, wenn man mit dem Rauchen aufhört. Es kann darüber entscheiden, ob jemand an die Dialyse muss oder nicht.

Sind E-Zigaretten oder Vapes eine bessere Alternative?

E-Zigaretten und Vapes, die Nikotin enthalten, haben die gleichen Folgen wie Zigaretten auch. Doch auch unabhängig vom Nikotin enthalten sie Schad- und Aromastoffe, die ähnliche Wirkungen zeigen wie Zigaretten. Genaue Untersuchungen zu den Langzeitfolgen und zu Folgen an den Nieren fehlen derzeit noch. Die bessere Alternative zum Rauchen ist in jedem Falle das Nichtrauchen!

Macht es noch Sinn als Dialysepatient das Rauchen aufzugeben?

Auf jeden Fall! Raucher an der Dialyse verlieren schneller ihre Restausscheidung. D.h. ab diesem Zeitpunkt, wo man an der Dialyse nicht mehr Wasser lassen kann verliert man Lebensqualität, weil man sich mit der täglichen Trinkmenge deutlich einschränken muss, außerdem ist die Herzbelastung dann durch die hohe Volumenbelastung zwischen den Dialysetherapie deutlich ausgeprägter, was sich langfristig auf die Herzfunktion negativ auswirkt. Außerdem schreitet die Gefäßverkalkung schneller fort, was sich auch im Hinblick auf eine Nierentransplantation negativ auswirkt. Wenn die Arterien in der Leiste verkalkt sind, dann wird es oft schwierig eine Spenderniere erfolgreich anzuschließen.